Prävention vor Missbrauch

Die Kinder- und Jugendarbeit ist zentraler Bestandteil der pastoralen Arbeit in den Gemeinden der Pfarre St. Lukas. So begleiten wir die Kinder und Jugendlichen sowohl im Rahmen der Sakramentenvorbereitung und in den vielen Gruppierungen der kirchlichen Jugendarbeit, in unseren offenen Jugendeinrichtungen und den Kindertagesstätten als auch im Bereich der Chorarbeit und den unterschiedlichen Angeboten der Kirchenmusikschule.
Kinder und Jugendliche sollen sich bei uns wertgeschätzt, sicher und wohl fühlen. Ebenso möchten wir, dass die Eltern ihre Kinder bei uns gut aufgehoben wissen. Wir sind uns der großen Verantwortung für das Wohl der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen bewusst und wollen sie – soweit es in unseren Möglichkeiten liegt – vor sexuellen Übergriffen, vor einer sexualisierten Atmosphäre und geschlechtsspezifischen Diskriminierungen schützen.

GdG-Rat St. Lukas zu Missbrauch, Machtstrukturen und Maria 2.0

Anlässlich der Jährung des durch die Deutsche Bischofskonferenz angeregten Forschungsprozesses zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige (Missbrauchs-Studie/ MHG-Studie) und in Reaktion auf den geplanten synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland beschließt der GdG-Rat der Pfarre St. Lukas einen Verhaltenskatalog zum Thema Missbrauch, verpflichtet sich zur Unterstützung der Veränderungen kirchlicher Machtstrukturen in der Pfarrei und unterstützt die Reformforderungen von „Maria 2.0“.

„Wir sind eine sehr vom Glauben getragene Gemeinschaft, feiern Gottesdienst in traditionellen und modernen Formen und begegnen uns in den Gremien auf Augenhöhe zwischen Ehren- und Hauptamtlichen, Priestern und Laien. Doch nach den gehäuften Missbrauchsvorfällen, erwägten manche von uns tatsächlich, aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche auszutreten“, erklärt GdG-Ratsmitglied Judith Meyer die Initiative zur Gründung eines Missbrauch-Ausschusses der Dürener Innenstadtpfarre St. Lukas. In seiner letzten Sitzung am 17.9. beschloss der GdG-Rat der Pfarre nun die Umsetzung der von diesem Ausschuss in einer Klausurtagung vorgetragenen Vorschläge zum Umgang mit Missbrauch, Machtstrukturen und dem Reformprozess „Maria 2.0“, der mehr Rechte und Ämter für Frauen in der katholischen Kirche fordert.
Der neu beschlossene Verhaltenskodex soll weit hinaus gehen über das seit vielen Jahren in der Pfarre etablierte Schutzkonzept gegen sexuellen Missbrauch. Dieses umschließt alle Bereiche, in denen mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, also Kindertagesstätten, Kirchenmusikschule und offene Jugendarbeit, Sakramentsvorbereitung und religiöse Jugendarbeit. Alle in diesen Bereichen ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Die regelmäßige Teilnahme an Präventionsschulungen ist obligatorisch. Der Dürener Verein „Basta!“, der die sexuelle Selbstbestimmung von Mädchen und Jungen fördert, liefert hierbei regelmäßig den notwendigen externen Input.
Folgende Selbstverpflichtungen des St. Lukas-GdG-Rates sind neu:

Der GdG-Rat stellt sich an die Seite der Opfer von sexuellem und geistlichem Missbrauch und fordert Unterstützung für die Betroffenen.
Der GdG- Rat unterstützt ausdrücklich die Maßgabe der katholischen Kirche, die bei einem Vorfall das Einschalten der staatlichen Justiz anordnet.
Der GdG-Rat initiiert ein Beratungsnetzwerk, das unabhängig von einer kirchlichen Anstellung oder sonstigen Involviertheit funktioniert. Jurist/innen, Sozialarbeiter/innen und Ärzte/innen stehen der Pfarre St. Lukas und im Besonderen der pfarrlichen Präventionsfachkraft zur Seite.
In den Augen des St. Lukas-GdG-Rates trägt die Struktur der katholischen Kirche mit ihren hierarchischen Begebenheiten, sowie dem Zusammenhang zwischen Macht und Priesteramt besonders dazu bei, sexuellen und auch geistlichen Missbrauch zu erleichtern bzw. sogar erst zu ermöglichen. Dies ist ein ausdrückliches Ergebnis der MHG- Studie, woraus weitere Konsequenzen gezogen werden:

Der GdG-Rat fordert eine obligatorische Auseinandersetzung von Priestern mit der eigenen Sexualität, Erotik und Emotionalität. Hierbei soll auch der Zusammenhang zwischen Macht und Weiheamt im Zusammenhang mit dem Zölibat thematisiert und reflektiert werden.
Der GdG-Rat setzt sich dafür ein, Sexualität in all ihrer Vielfalt wahrzunehmen und als gleichwertig zu akzeptieren. Dies schließt die damit einhergehenden verschiedenen Lebensformen selbstverständlich ein.
Der GdG-Rat der Pfarre St. Lukas sieht die freie Benennung von Missständen in der katholischen Kirche nur dort möglich, wo Hierarchie es erlaubt. Das Ziel der Schaffung transparenter und auf paritätische Zusammenarbeit ausgerichteter Strukturen wird ausdrücklich unterstützt.
Der GdG-Rat der Pfarre St. Lukas fördert Frauen in der Übernahme maßgeblicher Ämter.
Der GdG-Rat macht sich die paritätische Besetzung von Männern und Frauen aller Gremien, auch des GdG-Rates selbst, in der Pfarre St. Lukas zum Ziel. Eine offene Diskussion über die Einführung einer Quote wird angeregt.
Der GdG-Rat fordert das Bistum Aachen und den Bischof auf, die Pfarre St. Lukas und ihre haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen dabei zu unterstützen, Machtstrukturen zu verändern.
Der GdG-Rat stellt sich hinter die Forderungen der Bewegung „Maria 2.0“