Düren atmet Jazzgeschichte

Burgau-Gymnasium

Jiggs Whigham, das SBO, die Fat Cat Big Band und Freunde erleben einen Tag voller Musik und Inspiration

Düren. Ein Tag ganz im Zeichen des Jazz, des gemeinsamen Musizierens und der musikalischen Begegnung: Am 3. Oktober 2026 wurde das Burgau-Gymnasium in Düren zum Treffpunkt für rund 70 Musikerinnen und Musiker aus der Blasorchester- und Big-Band-Szene. Im Mittelpunkt stand mit Jiggs Whigham eine herausragende Persönlichkeit der internationalen Jazzwelt. Gemeinsam mit Renold Quade von der Musikschule Düren, Gerold Link vom Förderverein sowie den Ensembles und Teilnehmenden gestaltete der renommierte Posaunist, Bandleader und Komponist einen ebenso lehrreichen wie inspirierenden Tag.

Mit dabei waren Musikerinnen und Musiker aus dem Umfeld des SBO und der Fat Cat Big Band der Musikschule Düren. Das Ziel der Veranstaltung ging dabei weit über die musikalische Weiterbildung hinaus: Im Mittelpunkt standen die Freude am gemeinsamen Spiel, das gegenseitige Lernen und die verbindende Kraft der Musik.

Gemeinsam den Jazz entdecken

Der Vormittag gehörte dem aktiven Musizieren. In einem großen Ensemble, das von der Piccoloflöte bis zur Basstuba reichte und durch eine Rhythmusgruppe ergänzt wurde, erarbeiteten die Teilnehmenden unter Whighams Anleitung grundlegende Elemente des Zusammenspiels. Anhand kleiner Musikstücke wurden die sogenannten „Basic Steps“ praxisnah vermittelt.

Dabei ging es um weit mehr als das Spielen der richtigen Töne. Gemeinsames Einsetzen, Einspielen und Intonieren gehörten ebenso dazu wie das bewusste Erleben unterschiedlicher Akkordfarben und die Arbeit an Artikulation, Rhythmus und Stilistik. Schritt für Schritt entstand so ein gemeinsames musikalisches Verständnis – die Grundlage für ein lebendiges und überzeugendes Zusammenspiel.

Den musikalischen Höhepunkt des Vormittags bildete die gemeinsame Erarbeitung dreier Stilrichtungen: Bossa Nova, Blues und Swing. Jiggs Whigham übernahm dabei selbst die Soloparts und zeigte eindrucksvoll, wie musikalische Grundlagen, Erfahrung und Improvisationsfreude zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen.

Ein Zeitzeuge der Jazzgeschichte

Neben der praktischen Arbeit waren es vor allem Whighams persönliche Einblicke, die den Tag besonders machten. Mit Anekdoten, Erfahrungen und musikalischen Überzeugungen öffnete er den Teilnehmenden immer wieder neue Zugänge zur Welt des Jazz. Seine Hinweise kamen unmittelbar aus der Praxis und machten deutlich, wie eng technisches Können, stilistisches Verständnis und persönliche Ausdruckskraft miteinander verbunden sind.

Whigham kann auf eine außergewöhnliche Karriere zurückblicken. Bereits mit 17 Jahren stand er mit führenden Ensembles und prägenden Persönlichkeiten der Jazzgeschichte auf der Bühne. Über Jahrzehnte hinweg hat er die Entwicklung des Jazz als Musiker, Bandleader und Komponist begleitet und mitgestaltet. Mit 83 Jahren vermittelte er in Düren nicht nur musikalisches Wissen, sondern auch einen reichen Erfahrungsschatz aus einer langen internationalen Laufbahn.

Seine besondere Stärke zeigte sich dabei in der Verbindung von fachlicher Kompetenz, Humor und einer unmittelbaren Begeisterung für die Musik. So wurde aus dem Workshop eine Begegnung zwischen Generationen, Erfahrungen und musikalischen Perspektiven.

Von Basie bis Herbolzheimer

Am Nachmittag rückte die Fat Cat Big Band in den Mittelpunkt. Gemeinsam hatten Jiggs Whigham und Rolf Kratzborn ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das musikalisch einen Bogen von Count Basie bis Peter Herbolzheimer spannte. Die ausgewählten Titel boten Gelegenheit, die am Vormittag erarbeiteten Grundlagen im Big-Band-Kontext zu vertiefen und die stilistische Vielfalt des Jazz zu erleben.

Auch der persönliche Austausch kam nicht zu kurz. Beim „Meet and Greet“ nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Erfahrungen auszutauschen und mit dem international renommierten Musiker ins Gespräch zu kommen.

Selbst ein reines Posaunenensemble setzte mit „Here’s That Rainy Day“ einen besonderen Akzent und zeigte eine weitere Facette des gemeinsamen Musizierens.

Musik, die verbindet

Am Ende des Tages stand mehr als die Erinnerung an einen gelungenen Workshop. Die rund 70 Musikerinnen und Musiker nahmen neue musikalische Impulse, wertvolle Anregungen und die Erfahrung mit nach Hause, wie sehr gemeinsames Musizieren verbindet.

Für die Musikschule Düren, den Förderverein und die beteiligten Ensembles war die Veranstaltung damit ein besonderer Erfolg. Jiggs Whigham hatte eindrucksvoll vermittelt, dass Jazz nicht allein von Technik und Perfektion lebt, sondern vor allem vom Zuhören, vom gegenseitigen Vertrauen und von der Freude, gemeinsam etwas entstehen zu lassen.

So wurde der 3. Oktober in Düren zu einem Tag musikalischer Einheit – geprägt von Jazzgeschichte, lebendigem Austausch und einer Begeisterung, die weit über den letzten Ton hinausreichte. Oder, um das Bild des Tages aufzugreifen: Alle fuhren mit viel Sonne im Herzen und neuer Motivation nach Hause.

Ein paar Stationen:

„Jiggs Whigham ist ein international anerkannter Posaunist, Bandleader und Lehrer. Der vielseitige

Künstler, geboren als Oliver Haydn Whigham III (den Spitznamen Jiggs bekam er von seinem

Großvater) in Cleveland Ohio (USA) am 20. August 1943. Er fiel Kritikern und Musikliebhabern

erstmals im Alter von 17 Jahren als Solist und erster Posaunist des Glenn Miller Orchestras unter Ray

McKinley auf.“

Hier „ein paar Stationen“ aus dem bewegten Leben dieses Ausnahmemusikers, der auch gerne mit 83

Jahren mit Charisma, Strahlkraft und seiner legendären King 2B-Posaune auf der Bühne steht.

Zu Hause ist er auf der ganzen Welt, aber am liebsten in Bonn, London und Cape Cod.

– Vom 7. Lebensjahr an Klavier- und Harmonielehre am Cleveland Institute of Music.

– Mit 11 Jahren begann er Posaune zu spielen, mit 17 Jahren war er erster Soloposaunist

des Glenn Miller Orchestras unter Ray McKinley, mit 19 Jahren bei der Stan Kenton Big

Band. Daneben absolvierte er ein Kompositionsstudium.

– Nach einjährigen Engagements in New Yorker Studios und Broadway-Musicals kam er

1965 nach Deutschland und war Solist im Jazz-Orchester von Kurt Edelhagen beim WDR in

Köln.

– 1966 erster Preis beim Wettbewerb für Modern Jazz in Wien.

– Seit den 1970er Jahren spielte er bei Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass

und veröffentlichte eigene Alben wie z. B. Values mit George Gruntz, J.A. Rettenbacher

und Tony Inzalaco. Hope mit Niels-Henning Ørsted Pedersen, Rob Franken, Ferdinand

Povel und Grady Tate oder The Jiggs Up mit Bud Shank, George Cables, John

Clayton und Jeff Hamilton

– Von 1971 bis 1981 arbeitete er regelmäßig mit The George Gruntz Concert Jazz Band.

– Ende der 1970er Jahre bildete Jiggs Whigham zusammen mit den Posaunisten Bill

Watrous, Albert Mangelsdorff und Kai Winding die Gruppe Trombone Summit.

– Im Jahr 1979 wurde er Professor und erster Leiter einer Jazz-Abteilung in Deutschland

überhaupt an der Hochschule für Musik in Köln.

– Mit der WDR Big Band nahm er als Solist, mit Arrangements von Bill Holman, das

Album The Third Stone auf.

– Von 1984 bis 1986 Leiter der Schweizer Radio Band (Radio DRS)

– Von 1995 bis Herbst 2006 war Jiggs Whigham Professor und Leiter der Abteilung für

Popularmusik an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und deren

Ausgründung „Jazz-Institut Berlin“.

– Von 1995 bis 2000 leitete er die RIAS Big Band Berlin.

– Im Anschluss die BBC Big Band in London, das Landesjugendjazzorchester

Brandenburg und, gemeinsam mit Niels Klein, das Bundesjazzorchester.

– Eine weitere Auflistung von Musikgrößen aus Jazz, Jazzverwandtem und großer

Unterhaltungsorchester würden den Rahmen dieses Papieres einfach nur sprengen …

– Jiggs Whigham ist Präsident Emeritus der ITA (International Trombone Association) und

(Ehren) Mitglied auf Lebenszeit prägender „Trombone Societies“, wie BTS und IPV. Er ist

tätig als Solist, Komponist, Autor, Dirigent und Lehrer, ist Berater und ‘Artist in Residence’

der Firma Conn-Selmer und Autor der Posaunenschule ´Jazz Trombone`, und Co-Autor von

‘Basic Steps’, gemeinsam mit Bernhard G. Hofmann und Renold Quade in der Edition Schott.

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